81 neue Stiftungen innerhalb von 10 Jahren

Als „eine Brücke in die Zukunft“ hat Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July die Stiftungsarbeit innerhalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg bezeichnet. Anlässlich einer Pressekonferenz zum zehnjährigen Bestehen der Landeskirchenstiftung sagte er: „Die Menschen stiften für die Kirche, um deren Wirken dauerhaft zu stärken. Sie möchten Bewährtes erhalten und Neues gestalten. Beides ist in die Zukunft gerichtet“.

„Ich freue mich sehr, dass alles, was wir uns zum Start der Landeskirchenstiftung erhofft haben, eingetreten ist“, erklärte der Finanzdezernent im Oberkirchenrat, Dr. Martin Kastrup. Innerhalb von zehn Jahren hätten 2.600 Menschen entweder gemeinschaftlich oder als einzelne Stiftungen ins Leben gerufen. Die Zahl der Stiftungen habe sich von 60 vor 2008 - die Landeskirchenstiftung war dann die 61. Stiftung - mit 81 seitdem neuen Stiftungen auf aktuell 142 mehr als verdoppelt, so Kastrup. Viele Neugründungen fördern den Erhalt von Kirchengebäuden und das Gemeindeleben in diesen Gebäuden. „Die Kirche hat für viele Menschen eine wichtige Bedeutung. Hier greift im wahrsten Sinne des Wortes die Redewendung, dass man die Kirche doch im Dorf lassen soll“, sagte Kastrup. Weitere Stiftungen haben diakonische Anliegen oder unterstützen die Kinder- und Jugendarbeit, Kunst und Bildung.

Den Festvortrag hielt Prof. Andreas Barner, Präsident des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und seit 1992 in Führungspositionen beim Unternehmen Boehringer Ingelheim tätig. Er befasste sich mit der Frage, was Menschen motiviert, sich ehrenamtlich gemeinnützig zu engagieren. Er machte deutlich, dass das Ehrenamt historisch betrachtet eine Tätigkeit war, die ausdrücklich nicht von finanziellem Interesse getragen ist; wiewohl es heute durchaus Entgelte gebe. Vorzugsweise altruistische Motive würden Ehrenamtliche motivieren, etwa soziale Verantwortung, was jedoch Aspekte wie Selbsterfahrung und -verwirklichung nicht ausschließe. Barner, der vielen Menschen als Präsident des Stuttgarter Kirchentags (2015) bekannt geworden ist, sprach sich dafür aus, verstärkt den Begriff „bürgerschaftliches Engagement“ zu pflegen. Darin komme der Wille zur selbstbewussten und eigenverantwortlichen Gestaltung von Gesellschaft deutlicher zum Tragen. In diesem Sinne verstehe er auch das Engagement des Stiftens; besonders mit Blick auf die nachhaltige Gestaltung von Zukunft.

Die Landeskirchenstiftung wurde am 1. Januar 2008 ins Leben gerufen. Die Nachfrage nach Beratung zu Stiftungsfragen aus Kirchengemeinden, kirchlichen Einrichtungen und von Privatpersonen hatte stetig zugenommen. Die Landeskirchenstiftung hat zwei Aufgaben: Sie soll stiftungsinteressierte Menschen, Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen Schritt für Schritt auf dem Weg zur Stiftungsgründung begleiten. Außerdem fördert sie kirchliche und diakonische Projekte im Bereich der Landeskirche.