Jahresfeier der Landeskirchenstiftung im Jahr 2014

Landesbischof July: „Stiften ist Glücksache“

Einmal mehr war die Jahresfeier der Landeskirchenstiftung im Januar (27.1.2014) ein wunderbarer Jahresauftakt. In der gut gefüllten Schlosskirche begrüßte Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July mit den Worten „Ich sehe viele bekannte Gesichter, und ich sehe viele neue Gesichter.“

Es gelinge offensichtlich vom Allgäu bis zum Unterland, Menschen fürs Stiften zu begeistern. „Für dieses Engagement danke ich von Herzen. Es ist – um es mit einem Wort zu benennen – ein großes Glück“, sagte der Landesbischof. Und er führte aus: Insofern Stiftungen dazu beitragen, dass die biblische Botschaft in Wort und Tat verkündet wird, werden Menschen darin bestärkt, in Gott ihr Glück zu finden. Dementsprechend lasse sich sagen: „Stiften ist Glücksache.“ Oder etwas ausführlicher: „Sie tragen dazu bei, dass das Glück, Gott nahe zu sein, verbreitet, vermehrt und vertieft wird.“

Ja, so meine ich, man ist wirklich geneigt zu sagen, dass bei der Jahresfeier die große und glückliche Stiftungsfamilie zusammen gekommen ist. Darunter viele Menschen, die aufgrund der Jubiläumsveranstaltungen 2013 erstmals mit dem kirchlichen Stiftungswesen in Kontakt kamen.

Den Hauptvortrag hielt der Architekt Professor Arno Lederer über den neuen Stuttgarter Hospitalhof. Er verdeutlichte, dass das renommierte Zentrum für Bildung und Begegnung, Kultur und Spiritualität nicht nur in Stein, sondern auch im Sein an eine bemerkenswerte Tradition anknüpft und diese ausdrücklich bewusst machen möchte. Der Hospitalhof steht nämlich am Ort der ersten und einzigen Klosters von Stuttgart. Von 1471 bis 1493 wurde dieses samt Kirche (deren Chor bis heute erhalten ist) für eine reformorientierte Richtung des Dominikanerordens gebaut. 1536 wurde die Kirche evangelisch, und die Klostergebäude wurden zu einem Hospital. Im April dieses Jahres wird der von Grund auf neu gebaute Hospitalhof eingeweiht, und er soll dem guten Geist des Ortes in seinen Angeboten der Bildung, Verkündigung und Zuwendung in zeitgemäßer Weise entsprechen.

Der Hospitalhof führt zum Gespräch, so erläuterte Hospitalhofleiterin Pfarrerin Mo-nika Renninger. „Es ist ein offener Prozess. Wie wollen wir leben? Wie soll unsere Zukunft aussehen? Wie gelingt es, Konflikte zu lösen? Wie in Beziehungen zu-sammen zu leben? Wie zwischen den Kulturen? Wie finde ich inneren Halt?“
Auf diese Fragen wolle man gemeinsam Antworten finden und teilen.

Oberkirchenrat Dr. Martin Kastrup, Finanzdezernent der Landeskirche, machte in seiner Rede deutlich, dass Stifterinnen und Stifter – indem sie etwas von dem, was sie haben, teilen – zugleich einen Tausch machen. „Sie tauschen den Geldwert gegen einen Sinnwert“, so Kastrup. Der Sinnwert bestehe beispielsweise darin, Kirchen zu erhalten, Kirchenmusik zu fördern, diakonische Angebote zu sichern oder die Jugendarbeit zu stärken – je nach Stiftungszweck.

Seit Errichtung der Landeskirchenstiftung im Jahr 2008 seien im Bereich der Landeskirche 59 kirchliche Stiftungen neu gegründet worden. Etwa 2.000 Menschen hätten sich daran beteiligt. Die hohe Zahl sei damit zu erklären, dass die meisten Stiftungen gemeinschaftlich entstanden sind: viele Menschen stifteten anteilig. Summiert vereinen diese 59 Stiftungen plus die Landeskirchenstiftung rund 18 Millionen Euro. Außerdem könne die Landeskirchenstiftung aus einem Teil ihres Vermögens kirchliche Projekte mit finanziellen Mitteln direkt fördern. Im vergangenen Jahr waren das beispielsweise die Konzertreihe „Bach vokal“ an der Stuttgarter Stiftskirche, eine Beratungsstelle für Menschen in prekären Verhältnissen in Schwenningen und der Sozialfonds der Evangelischen Schulstiftung Stuttgart. Viele Menschen, so Kastrup weiter, hätten im vergangenen Jahr der Landeskirchenstiftung Jubiläumsspenden und -zustiftungen gewidmet. Insgesamt rund 185.000 Euro. Diese werden seitens der Landeskirche verdoppelt.